Supplement Ausgabe August 2007 NL

Prof.: Dr. Jan M.Keppel- Hesselink und Drs. David J. Kopsky, Ärzte

Warum ist Bioresonanz so populär ?

Es gibt einzelne richtungsweisende Studien, die den Effekt der Bioresonanz auf bestimmte Laborparameter nachweisen.
So wurde in einer offenen Studie bei 20 Patienten mit Rheuma im Blut, bestimmte Enzyme in den weißen Bluttkörperchen untersucht. Diese Enzyme spielen eine wichtige Rolle im Anti-Oxydationssystem. In wie weit diese Enzyme eine bedeutende Rolle bei Rheuma spielen, ist nicht klar. Neun Monate wurden die Patienten eine Woche mit Bioresonanz und mit ausgetesteten homöopatischen Mitteln behandelt.

Bioresonanz

Die Werte der Enzyme wurden vor der Behandlung, nach der Behandlung, und nach einigen Monaten bestimmt. Außerdem wurden die Werte verglichen mit einer Kontrollgruppe von 10 gesunden Frauen. Die Studie ist nicht „blind“ durchgeführt worden. Eines der Enzyme, Catalase, hatte sich nicht verändert. Die Werte von 2 anderen Enzymen, SOD und Glutathion Peroxidase, waren reduziert zum Normbereich, die Werte der Thiolgruppe, waren über den Normbereich hinaus gestiegen.
Die Schlussfolgerung war, dass die Bioresonanz und die ausgetesteten homöopatischen Mittel eine Auswirkung auf bestimmte Enzyme hervorrufen. Viel ist in dieser Studie nachgelassen worden und die Forscher haben nicht dokumentiert, wie es den Patienten vor und nach der Therapie ging. Auf Grund dieser Studie kann nicht behauptet werden, dass die Bioresonanz einen klinisch relevanten Effekt auf Rheuma hat.

Eine Pilotstudie:

Wir haben nur eine Pilotstudie gefunden in Bezug auf das MORA-Gerät. Dieses Gerät wird in den Niederlanden sehr viel eingesetzt.
20 Patienten mit chronischen Magen-Darm-Beschwerden wurden in 2 Gruppen geteilt. Die Therapie mit der MORA-Bioresonanz wurde in 6 Behandlungen durchgeführt. Die Behandlung war die Stimulation der Akupunkturpunkte Magen 36, Dünndarm 3, Herz 6 und Milz 4 und zwei Behandlungen mit Meditation und NLP. Eine sehr bunte Mischung!

Der einzige Unterschied zwischen beiden Gruppen war, dass bei der einen Gruppe das MORA-Gerät ausgeschaltet war, ohne dass die Patienten darüber Bescheid wussten. Die Patienten und den Therapeuten wurden gefragt ob eine Verbesserung der Beschwerden feststellbar war. In der Bioresonanzgruppe gab es eine Verbesserung der Symptome Schmerz und Flatulenz, und in der Kontrollgruppe ( Placebogruppe) eine leichte Verbesserung. Diese Pilotstudie kann nicht dafür verwendet werden, um klinische Aussagen zu treffen über die Effektivität der MORA-Bioresonanz, weil die Studie zu klein war und die Methodologie ungeeignet war.

Um den klinischen Wert zu untersuchen ist eine viel größere, methodologisch besser aufgebaute Studie notwendig. Die Studie ist bis heute nicht durchgeführt worden. Wenn die Produzenten von Bioresonanzgeräten die vorgegebenen Effekte wirklich nachweisen könnten und dies mit richtigen Studien belegen würden, würden sie viel mehr Umsatz machen können und eine Chance haben, durch die Schulmedizin anerkannt zu werden. Da dies nicht der Fall ist, und da die klinische Relevanz nie richtig untersucht worden ist, deutet darauf hin, dass wir hier mit einer Pseudowissenschaft zu tun haben und dass Patienten ………. werden.
Warum glauben doch viele Patienten massiv an der Effektivität der Bioresonanz ?

Pseudowissenschaft

Messwerte sind in der westlichen Medizin sehr wichtig. Auch Patienten messen diesen Messwerten ein hohen Wert bei. Auch durch die Bioresonanztherapeuten wird gemessen. Das große Problem von diesem „Messverhalten“ ist, dass auf Grund dieser Messung Aussagen gemacht werden und Diagnosen postuliert werden. Diese Aussagen heißen dann oft: Störungen, Dysbalancen, oder Verlust an Energie in den Organen oder Meridianen. Auf Grund von diesen Aussagen werden die Patienten noch einmal zusätzlich, unberechtigt in ihrer Krankheitsrolle bestätigt.
Der Zusammenhang zwischen den Messwerten und der klinischen Lage des Patienten ist nie untersucht worden. Sogar das Diagnostisieren von Allergien, der bekannteste Einsatzbereich der Bioresonanz, hat sich als nicht richtig dargestellt. Auch ist es falsch, mit diesem Messverfahren schulmedizinische Diagnosen zu postulieren.
Wenn sich jemande z.B. mit einem Tennisellebogendurchmessen lässt, kann es sein, dass der Bioresonanztherapeut behauptet, dass es eine Störung im Darmbereich gibt, wofür eine Darmspülung notwendig sei, oder dass es eine vergiftete Leber gäbe, wofür gezielte Detoxification notwendig sei mit homöopatischen Mitteln.
Klar, darüber freut sich den Patienten natürlich nicht!

Über die „Sprache“ bei der Bioresonanz, behauptet Professor Ernst, Komplementäre Medizin an der Universität von Exeter in England, folgendes:

Klare Verwendung von Fachbegriffen ist essentiell für eine effektive Kommunikation. Bei der Bioresonanztherapie stellt sich heraus, dass die Wahl von pseudowissenschaflichen Begriffen, dazu führen kann, dass man wichtige Sachen verdeckt. Man kann dies darstellen als ein absichtlicher Versuch um Unsinn als Wissenschaft zu präsentieren.
Weil die Patienten durch diese „ Sprache“ in die Irre geführt werden, entsteht die Möglichkeit dass deren Gesundheit gefährdet wird. Deshalb muss nach Methoden gesucht werden, um diese Probleme einzudämmen.

Sprache

Pseudowissenschaftliche Sprache wird oft benützt von Therapeuten und Patienten. Diese Sprache verstehen sie beide. „Zu viel Energie, zu wenig Energie, Störfelder, Ernährungsvergiftung, Parasiten im Blut“.
Diese „ Sprache“ ist verständlicher als die Sprache des Arztes, „Anstieg der Akut Fase Einweiße, Reduktion des cardialen Outputs, die übrigens wohl nachgewiesen ist. Störungen können sogar in der „Laiensprache“ auf „Zappen“ oder durch „gegenresonieren“ reduziert werden, Professor Sickbocks Revival.
Innerhalb der Bioresonanz gibt es ernsthafte Beispiele davon: Rife und Clark Zappergeräte. Mit diesen futuristischen Geräten kann man sogar Krebs behandeln und heilen, wie auf vielen Websites versprochen wird.
Wir betrachten dies als ein großes Verbrechen. Eine Beleidigung der richtigen komplementären Medizin. Diese Websites missbrauchen die Kraft der Metafor: Krebs wird verursacht von einer unbekannte Bakterie, Bakterie X. Das ist eine klare Ursache. Mit den Frequenzen des Zappers, werden die Bakterien weggezapt. Klare Gesichte, aber total falsch.

Geld

Von dem Distributeur von einem Bioresonanzgerät haben wir vernommen, dass jede Person ein solches Gerät erwerben kann. Die Kosten für so ein Bioresonanzgerät liegen zwischen 15.000 und 20.000 Euro. Jeder darf sich Bioresonanztherapeut nennen, auch ohne medizinische oder paramedizinische Ausbildung ! Nun würde man hoffen, dass Ärzte nicht mit solchen Geräte arbeiten werden, leider ist das nicht der Fall. Es gibt sogar einen Verein von Ärzten, die sich mit der Bioresonanz beschäftigen. Dies wundert uns sehr, denn es gibt keinen einzigen klinischen Nachweis des Effektes von Bioresonanz.
Unserer Meinung nach hat es mit Geld zu tun, durch den hohen Anschaffungswert des Gerätes muss der Therapeut wohl daran glauben, dass sich diese große Investition wenigstens wieder auszahlt. Es gibt in den Niederlanden mehr als 200 Nicht-Ärzte, die diese Geräte anwenden und einige Ärzte. Was nun ?

Zusammenfassung

Für uns ist es klar: man sollte den Spielregeln der Wissenschaft folgen, vertraue erst einem Gerät, wenn es aussagekräftige Patientenstudien gibt. Nur auf diese Art und Weise können die Patienten vor Pseudowissenschaft geschützt werden.
Bis heute stellt sich heraus, dass der Einsatz von Bioresonanzgeräten hauptsächlich auf der Metafor beruht, um Patienten etwas vorzumachen, was es nicht wirklich gibt. In den Händen von einem vernünftigen Arzt kann die EAV oder ein anderes Gerät benützt werden, um bei dem Verschreiben von homöopatischen Mitteln behilflich zu sein. Nur dafür ist das Gerät geeignet. Es beunruhigt uns, dass viele Leute momentan beeinflusst werden von der Bioresonanzindustrie und wir warnen davor, nicht alle Behauptungen zu glauben , die über die Bioresonanz im Internet geschrieben werden.
Bioresonanz ist ein Bereich innerhalb der komplementären Medizin, wobei sich viele Hersteller und Nutzer sich bewusst nicht auf den wissenschaftlichen Nachweis berufen. Die Nutzer der Bioresonanz nehmen bewusst keine Kenntnis von den in wissenschaftlicher Literatur publizierten Artikel, sowie z.B. British Medical Journal.
In diesen Zeitschriften werden methodologisch fundierte Studien beschrieben in Zusammenarbeit mit den Herstellern von Bioresonanzgeräten. Diese Studien haben nachgewiesen, dass die Methode Bioresonanz nicht taugt.
Bei dem Entwurf von einem Evidence Based komplementärer und integrierter Medizin gehört die Bioresonanz nicht dazu. Professor Ernst hat Recht!

www.iocob.nl

Literatur:

Islamov Bl. Et al: Effect of Bioresonance therapy on anti-oxidant system in lymphocytes in patients with reumatiod artritis. Bull. Exp.Biol. Med. 2002: 134: 248-250

Jürgen Nienhaus, Michael Galle. Placebo ---Magen Darmbeschwerden. Forsch. Komplementärmed. 2006; 13: 28-34

E.Ernst Bioresonance. A Study of Pseudo-Scientific Language. Forsch. Komplementärmed. Klass. Naturheilkunde 2004; 11: 171-173

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